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Albumcover Chapter Done
Rezensionen

Finstere Stimmung, Vorwärts-Beats, Noise und Melodie

Der griffige Name kaschiert, wie gut sich die fünf weltgewandten Österreicher in der Musikgeschichte auskennen: Da hat man von den Punk-Prototypen bis zu den Monstrositäten des Krautrock alles gelernt. Da vermengt sich die New Wave mit den Walls-of-Sound der Electronic Body Music. Und der gute alte Schlager sperrt sich mit der harten Elektronik der 1990er im Keller ein. Eine auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutende, aber auch logische und zwingende Mischung, betrachtet man die musikalische Vor- und Nebengeschichte der Band. Alle Mitglieder von MORD sind oder waren bei anderen Bands wie KREISKY, GELÉE ROYALE, den 4EXP2 und vielen weiteren aktiv. Die Einflüsse des Einzelnen strahlen auf das kollektive MORD-Ganze aus, man triggert und treibt sich gegenseitig an, verwickelt sich in Unterhaltungen, aus denen der andere erst mal wieder rausfinden muss.

Wer MORD je live erlebt hat, erinnert sich an eine abenteuerliche Achterbahnfahrt durch ausgedehnte Lärmpassagen, beschwörenden Sprechgesang mit Texten zu unfreundlichen Themen und einen treibenden, aufwühlenden Beat, der alles auf merkwürdige Weise zusammenleimt. Um mit diesem bewährten – und zu einem großen Teil auf improvisatorisches Arbeiten ausgelegten – Live-Setup auch dem CD-Format gerecht zu werden, hat man sich auf ein Experiment eingelassen, den schönen Rhythmus ein wenig nach vorne gebracht, den Noise sanft zurückgedreht und den einzelnen in Form gebrachten Nummern eine maximale Spielzeit von zehn Minuten zugestanden. Abwechslungsreiche Gitarrenarbeit und fein abgestimmte Grob-Elektronik prägen nun schließlich die Musik auf dem MORD-Debüt, „Chapter Done“.

Das clubgewohnte Tanzbein verfängt sich in der trostlosen Einsamkeit des Fernsehjunkies, und das Auge wird mit der russischen Beleuchtung des Asylheims beleidigt. Das Schäbige in der Welt wird so lange in die Mangel genommen, bis wir begriffen haben: auch im Glamour liegt der Abgrund, und auch in der tiefsten Depression sagt uns eine lästige bis eindringliche Stimme, wie schön es ist, hier zu sein.

Und das ist doch ein mutiges Unterfangen, heutzutage: ein durchgeknallter Gegenentwurf zur glattgebügelten Unterhaltungsmucke des Formatradios, eine Platte, die die bösen Seiten des Lebens als gleichwertig mit den guten betrachtet. Und die dem unglücklichen Menschen in uns allen zuruft: Geh geradeaus weiter, mein Freund, denn das Schlimmste liegt noch weit vor dir.

Mord sind, v. l. n. r.:
Gregor Tischberger – Gitarre, Noise, Bass
Bob Donc – Gitarre, Gesang
Martin Max Offenhuber – Beats, Bass, Noise
Ralph Wakolbinger – Schlagzeug
Klaus Mitter – Schlagzeug